Camembert-Romantik # Citroen CX vor Traumpanorama

Ich hab mir nie viel aus Frankreich gemacht – eine Sprache, die kein normaler Mensch fehlerfrei schreiben kann, das Beharren auf die Idee, das auch noch Weltsprache zu nennen, obwohl der Zug in meiner Kindheit schon lange abgefahren war… Camembert etwa werde ich wohl Zeit meines Lebens falsch schreiben 😉 Aber die Autos – die fand ich heimlich immer ein bissel cooler und entspannter als diese engstirnigen gut verarbeiteten Germanen. Citroen und Peugeot waren eben ein wenig mehr Laissez faire zusammen gezimmert als so ein streng drein schauender Mittelklasse-Audi oder so ein ernsthafter werterhaltender Mercedes W123 meiner Kindheit.
So ein CX, der hatte was. Der fühlte sich immer nach großer Reise an – eine große Reise von Leuten, die mehr Lebensstil hatten als wir Germanen mit unserem Reiseproviant an hartgekochten Eiern und belegten Broten mit Scheibletten… So etwas würde sich heute nicht mal mehr ein Deutscher trauen. Typen, die CX fuhren, hatten ein großes Weißbrot dabei und stinkenden Käse und wirkten immer viel entspannter, wenn ihre schreienden Kinder halb nackt auf dem Rastplatz herum turnten.
citroen-cx Dagegen waren wir Germanen so ernst wie unsere Autos – hielten an, aßen was, „vertraten uns die Beine“ (auch so etwas, was nur Deutsche in den 70er Jahren machten) und fuhren eiligst in unserer Ferienwohnung, wo Mama dann dieselben Gerichte Kochte wie zuhause, nur mit völlig exotischen Zutaten, die nicht von Aldi stammten, sondern von Hofer, also etwas vollkommen grundlegend neues darstellten – schon der Verpackung wegen…
Da mag jetzt manch ein Teutone sagen: Unsere Autos der gehobenen Mittelklasse haben dennoch gesiegt und werden heute überall verkauft – während Peugeot und Citroen sich aus der Szene zurückgezogen haben. Aber das zeigt doch nur, wie unentspannt wir sind, wenn es darum geht, erster zu sein… 😉