Damals, als Papa mutig in den Schnee fuhr

Wenn der Winter begann, damals in den 80ern, dann kam irgendwann der Moment, an dem Deine Vater in den Keller ging und dort etwas schweres hervor zerrte. Wenn Du ein junge warst, musstest Du ihm ab etwa Deinem 12. Lebensjahr dabei helfen – das war ein Ritual, dass immer ein paar Wochen vor diesem Ritual mit dem Nadelbaum stattfand.

In unserer Familie war das ein zerbrochener großer Schleifstein – den zu schleppen, war ein Alptraum und richtig ernsthaft gefährlich. Aber das war schon cool: Die beiden zerbrochenen Hälften passten nahezu perfekt links und rechts in unseren Kofferraum und lagen direkt über den Rädern, ohne arg viel des Laderaums dafür opfern zu müssen.

Niemand, auch mein Vater selbst, kann sich erinnern, wo diese Steine herkamen – aber sie waren einfach perfekt.
Mercedes W123
Wozu dieses Ritual? Natürlich: Wenn der Winter kam, dann bauchtest Du Last auf der Antriebsachse – das wusstest Du schon lange, bevor dir die dafür notwendigen Zusammenhänge im Physik-Unterricht klar wurden. Und das war für viele einer der wenigen AHA-Momente in diesem Fach 😉

Später, Ende der 80er Jahre, stieg mein Vater nach mehreren 123ern und einem Opel Omega unvermittelt auf Frontantrieb um, was sich mir nie so recht erschloss – vielleicht ein Frage des Alters oder der Vernunft, wenn Du plötzlich nicht mehr ständig Deine Kinder mit all ihrem Geraffel durch die Gegend fahren musst… Mit einem Mal gab es da diesen modischen, wendigen Vectra in unserem Haus, mit dem ich nicht recht warm werden konnte.

Aber immerhin: Im vergangenen Jahr hat mein Sohn mir erstmals geholfen, einen zerbrochenen alten Schleifstein aus dem Keller in den Wagen zu schleppen. Niemand, auch sein Vater selbst, kann sich erinnern, wo diese Steine herkommen- aber sie sind einfach perfekt….