Mercedes C107 # Die Liebe zum Detail, die einen Daimler machte

Ich war ein Kind, als mich die spezielle Magie der damaligen Mercedes Autos schier elektrisierte. Wer wie ich in einem Opel und VW Haushalt mit sachlichen Automobilen groß wurde, die einen nach Herne und Brindisi bringen mussten – und das ohne Macken zu einem fairen Preis – für den war es nicht mal der Luxus, der diese Modelle umgab. Den gab es bei Opel auch. Mein Onkel hatte einen vollausgestatten Commodore mit 2800er 6 Zylinder und Vinyldach – erzähl mir was von Luxus!
Aber in meiner Familie galt ein schlecht ausgestatteter 220D als dekadent…
Die Liebe zum Detail war es, die Daimler damals von der Masse abhob und die Automobile von damals so unfassbar zeitlos macht, die Kleinigkeiten wie die Schaltkulisse des Automatikgetriebes, die geriffelten Rückleuchten, damit die Verschmutzung nicht nervt, die A-Säulen, die das Wasser nicht über die Seitenscheiben abfliessen lassen…. Und eben Dinge wie die hintere Scheibe des Mercedes C107. Wer sich mit so viel Liebe einem so pisseligen Detail widmet, der muss viel Zeit haben – so ähnlich wie die Leute, die bei Johnny Walker 12 Jahre auf das Reifen des Whiskys warten oder so.Mercedes C107
Und der damalige Schwabe konnte das offenbar, denn es sind Details wie dieses, die dem Wagen die Not geben, der ihn irgendwie cooler macht als den Commodore – selbst als vollausgestattetes Coupé.
Und irgendwie rechtfertigte das die stabilen Preise – und irgendwie rechtfertigten die stabile Preise das Aufhaben – und das machte so unfassbar viele Mercedes zu Youngtimern und jetzt so langsam zu Oldtimern.
Und irgendetwas in meinem kindlichen Inneren sagt mir, dass ganz viele schwäbische Konstrukteure im Herzen ihrer verdienten Schrebergartenglückseeligkeit von Leonberg, Schwieberdingen und Oberesslingen auch heute noch solche Details konstruieren würden wie beim Mercedes C107 – mit viel klug investierter Liebe zum Detail.
Man müsste sie nur lassen, dann würden wir die Autos auch wieder so lieben wie den Mercedes C107.